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Ahmad Mansour: “Der Antisemitismus in Deutschland explodiert”

Abbas ist nicht mehr der Jüngste. Er wird von vielen “schlafender Opa” genannt. Man wartet auf das Ende seiner Amtszeit, es gibt erbitterte Kämpfe um seine Nachfolge. Eigentlich ist er von innenpolitischen Zwängen befreit und hätte das Gegenteil tun können: eine Rede halten, die uns Palästinenser und Israelis zusammenbringt. Er wurde auf der Pressekonferenz mit Scholz nach dem Münchner Attentat…

…als eine palästinensische Terrorgruppe bei den Olympischen Spielen 1972 elf israelische Athleten als Geiseln nahm und ermordete…

…gefragt: Statt dieser antisemitischen Tirade hätte Abbas sich entschuldigen oder Reue zeigen können für das Attentat, um damit eine Brücke zu schaffen für eine Aussöhnung mit Israel. Für Israelis war das ein Trauma, es war der erste Angriff auf Juden auf deutschem Boden seit dem Zweiten Weltkrieg. Zudem sehen einige Historiker Abbas mitverantwortlich für die Finanzierung des Anschlags. Doch stattdessen provozierte Abbas einen antisemitischen Eklat.

Warum, wenn er politisch nichts mehr zu gewinnen hat?

Weil er in den palästinensischen Narrativen steckt. Die Wahrheit ist, dass viele Palästinenser so denken. In Ramallah, Nablus oder eben auch in der palästinensischen Community in Deutschland ist diese Haltung Mainstream.

Kanzler Scholz und Palästinenserpräsident Abbas nach dem Eklat. (Quelle: LISI NIESNER/Reuters)

Sehen Sie keine Unterschiede zwischen palästinensischen Diskursen in Deutschland und denen, die etwa im Gazastreifen, unter der Herrschaft der Hamas, kursieren?

Doch. Man darf auch nicht verallgemeinern: Ich kenne auch Palästinenser, die Abbas widersprechen würden und den Genozid der Deutschen an den Juden als das ansehen, was es ist: einzigartig in der Menschheitsgeschichte. Aber diese kritischen Stimmen finden Sie nicht bei den palästinensischen Organisationen und ihren offiziellen Vertretern. Was an antisemitischer Hetze bei den einschlägigen pro-palästinensischen Demos deutschlandweit stattfindet, ist unsäglich und wird von den Organisationen mitgetragen. Es sind 24 Stunden vergangen seit Abbas’ antisemitischer Hetze. Haben Sie einen palästinensischen Vertreter gehört, der protestierte? Ich auch nicht.

War es falsch, einen unverbesserlichen Antisemiten wie Abbas überhaupt ins Kanzleramt einzuladen?

Nein, besser wäre gewesen, Scholz hätte sofort eingegriffen. Denn was bedeutet die viel bemühte historische Verantwortung für die Nazi-Verbrechen, wenn im Kanzleramt unwidersprochen der Holocaust relativiert wird? Scholz hätte Vorbild sein und zeigen können, wie man offenem Antisemitismus in Deutschland begegnet: durch sofortigen, energischen Widerspruch. Doch die diplomatische Kulisse war ihm wichtiger. Er hat die Chance vertan.


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